SELFRAG-Technologie - der Schlüssel für die nächste Generation von Aufbereitungsanlagen für MVA-Schlacke

Gegenwärtig realisiert die SELFRAG AG den Aufbau einer neuen Generation von Aufbereitungsanlagen für MVA-Schlacke, deren innovativer Ansatz die selektive Fragmentierung mit trocken- und nassmechanischen Aufbereitungstechnologien aus Bergbau und Recycling kombiniert. Nebst der Rückgewinnung von Metallkonzentraten mit hoher Qualität, ermöglicht die Anlage das Recycling von mineralischen Fraktionen. Dadurch wird die Recyclingquote auf 50-60 Gew.-% des Schlackeninputs gesteigert, und der knappe Deponieraum in der Schweiz massiv entlastet. Die neuartigen Fraktionen können in der Schweiz gesetzeskonform als Sekundärrohstoffe in der Zementklinkerproduktion verwertet werden. Zukünftig ist auch ein Einsatz als sekundäre Gesteinskörnung im Beton oder Straßenbau denkbar.

Nicht verwertbare feste Siedlungsabfälle müssen in der Schweiz spätestens seit 2000 in einer der heute 30 Müllverbrennungsanlagen (MVA) thermisch behandelt werden (Schweizerische Eidgenossenschaft, 2016). Die Vorteile der thermischen Abfallbehandlung sind Massen- und Volumenreduktion, Zerstörung organischer Verbindungen, Energierückgewinnung und Mineralisierung in stabilere Verbrennungsrückstände. In der Schweiz fallen jährlich rund 800'000 Tonnen MVA-Schlacken an, die einen Anteil von bis zu 14% an partikulären Metallen enthalten (Bunge 2014). Eine effiziente Metallrückgewinnung hat einen hohen Umwelt- und Rohstoffnutzen und ist in der Schweiz obligatorisch und gut etabliert. Heute werden mit modernen Verfahren hohe Rückgewinnungsraten in allen Korngrößenfraktionen erreicht.
Nach den klassischen Aufbereitungsverfahren verbleiben ca. 85 Gew.-% der Schlacke in verschiedenen Restfraktionen, die erhöhte Gehalte an Schadstoffen, vor allem Schwermetallen, aufweisen. Die Verwertung solcher Rückstände in der Bauindustrie ist in der Schweiz gesetzlich mit sehr hohen Anforderungen eingeschränkt. Ziel ist eine Anreicherung von Schadstoffen in der Bausubstanz zu vermeiden. Während das Recycling von weniger belastetem Baumaterialien gut etabliert ist, wird MVA-Schlacke in der Schweiz deponiert. Dies ist problematisch, da die gesicherten und verfügbaren nationalen Entsorgungskapazitäten für Schlacken in der Schweiz auf ~17 Jahre begrenzt sind (BAFU 2021). Kritisch ist vor allem die regionale Verteilung der Entsorgungskapazitäten. Bereits heute sind in einigen Regionen die Deponiekapazitäten erschöpft und die Eröffnung neuer Deponieprojekte sind politisch schwierige und langwierige Prozesse. Infolgedessen steigen die Entsorgungskosten für Schlacke, so dass die Verbrennungsindustrie ein großes Interesse daran hat, geeignete mineralische Fraktionen zu verwerten, um die Kosten der Deponierung zu reduzieren. Nebst dieser logistischen Motivation ist eine umweltverträgliche Verwertung als wichtiger Beitrag in Richtung einer nachhaltigen und funktionierenden Kreislaufwirtschaft angestrebt.
Autor(en)
Dr. Andreas Glauser, Dr. rer. nat. Alexander Weh
Contentpartner
© Lehrstuhl für Abfallverwertungstechnik und Abfallwirtschaft der Montanuniversität Leoben
Publikation
Recy & Depotech 2022 (November 2022)
Verkaufspreis
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